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Volkstümliche Sitten zu Ostern




Biete Euch hier einige interessante Informationen über volkstümliche Ostersitten, Oster - Liturgien, Osterbrauchtum, (wie rollende Teertonnen, Osterfeuer, Osterräder, Oster - Ringelbrot) auch Osterrituale und lustige Osterspiele (wie Ostermannbrennen, Schwerttänze, Siebensprünge u.s.w) zur Osterzeit an.

Diese Texte wurden aus antiquarischen Büchern aus dem Jahr 1895 entnommen und für Euch zusammengestellt.





Altes Osterlied






Fortsetzung von Seite 3 (volkstümliche Ostersitten)



Zu den österlichen Schaustellungen und Kampfspielen gehört auch der sog. Hahnentanz, wie er z.B. In Windsheim und in Stammheim bei Calw in Schwaben sich noch bis in unsere Zeit hinein erhalten hat. Der Hahn ist wiederum dem Thor geweiht; er ist der Verkünder des Tages, des Lichts und besonders galt der am Donnerstag aus dem Ei geschlüpfte als heilig. Wie der Erntehahn, der z.B. von Höxter bis Minden und östlich vom Deister über dem Erntekranz befestigt ist, ursprünglich dem Thor, als dem Gott des Landbaus gilt, so auch der Osterhahn. Nun ist der Hahn auch das Lieblingstier der Hel, der Göttin der Unterwelt, der Nacht und des Nebels. Schon in der Edda, im Liede der Seherin, der Völu-spa Str.35 heißt es:

Den Göttern gellend sang Gullinkambi,
Weckte die Helden beim Heervater;
Unter der Erde singt ein anderer,
Der schwarzrote Hahn in den Sälen Hels.

Also der hochrote Hahn mit goldenem Kamm und der schwarzrote treten hier einander entgegen, und in ihnen wiederum Licht und Finsternis. Rot ist die Farbe des rotbärtigen Thor, darum sind ihm wegen ihrer roten Farbe auch der Fuchs, das Eichhörnchen, das Rotkehlchen und Rotschwänze heilig. Rot ist auch die Farbe des Lebens und der Freude. Wo Leben ist, da ist auch Fruchtbarkeit. Darum wurden schon am Gertrudistage, dem Tage der Göttin der Fruchtbarkeit, die Eier, diese Symbole des Lebens rot gefärbt, die Eier, welche das fruchtbarste Tier, der Hase, gelegt haben soll. Auch "Mutter Rose", (= Hrodsa Ruhmträgerin), eine der Holda im wesentlichen identischen Göttin, in niedersächsischer Sage auch Waldminchen (d.i. Waldminne, Waldnymphe) genannt, erscheint mit Hasen. Zwei Hasen halten ihr die Schleppe, zwei andre tragen ihr Lichter vorauf. Andre Sagen lassen die Göttin nachts in Gesellschaft eines silbergrauen Hasen auch die Fluren wandeln. Der Hase ist ein durchaus ins Elbenreich gehöriges Tier, wie er denn auch im Märchen von Häsichenbraut an Stelle von Zwergen tritt. Daher bezeichnet "Hasenbrot" ein Gebäck, das ein Reisender den Zurückgebliebenen mitbringt von weither (aus dem Elbenlande). Gerade darum, weil der Hase ein dem Elbenlande angehöriges Tier ist, so steht er wie mit dem Tode, so auch mit der Geburt in Verbindung. Im Hasenteich bei Altenbrack im Oberharz sitzen die ungbornen Kinder. Der Bensheimer Kinderbrunnen liegt in der Hasengasse. Zu Rislegg in Schwaben holt man die Kinder aus dem Hasennest. So verstekt man auch die Ostereier, als Symbol des Lebens in künstlich gemachte Hasennester und sagt, der Hase habe sie gelegt. In Schwaben setzt man sogar einen Hasen auf das Nest.
Wie der Osterhase auf die Bilder der keltischen Nehalennia hinweist, die wie Gertrud eine Göttin der Fruchtbakeit, eine mütterliche Gottheit war, deren Heiligtum an der Mündung der Schelde stand, in jenem Selandiae extremo angulo, wo es gleich jenem der Nerthus auf einer insula Oceani (Walchern) in einem castum memus verehrt wurde, so weist das Osterei als Symbolisierung des Lebens weit zurück in das gemanische Mutterhaus.
Nach der indischen Genesis und Manus Lehre nämlich schuf Gott zuerst das Wasser; der göttliche Geist bewegte sich darüber und es gerann der allgemeine Schöpfungsstoff in Form eines Eies. In diesem gold- und silberstrahlenden, vierzehnfach gestreiften Weltei lag Brahma Prajapati ein volles Weltalter; da spaltete er die sieben Schalen und schuf aus der goldenen Hälfte die sieben Himmel, aus der silbernen die Erde mit ihren sieben Zonen, wie es in der Upnekat heißt:

Selber durch des Geistes Sinnen
Teilte er das Ei entzwei,
Schuf die Erde und den Himmel
Aus dem so geteilten Ei.

Auch die Perser beschenken sich am Frühlingsfeste Neuruz, mit welchem sie ihr Jahr beginnen, mit gefärbten, vergoldeten, oder künstlich bemalten Eiern; ebenso die alten Slaven am Feste Leinize oder im Lenz, wie dies noch in Rußland von hoch und niedrig, vom Zar bis zum Bettler geschieht, so daß man z.B. die in Petersburg vebrauchten Ostereier auf Millionen berechnet.
Das Osterei mit seinen Ringen symbolisiert also die Schöpfung des Himmel s und der Erde mit ihren Regionen, die Welt im Morgenrot. Um Ostern sprengt die Erde ihre Fesseln und feiert mit der Erlösung von der Winternacht ihre lichte Urstende. So wird es auch hierdurch klar, daß wenn das rotgefärbte Ei eben bei den Häbräern in dem Mahle der Passahnacht, welche für die einstige Schöpfungsnacht galt, keine Rolle spielt, die Deutschen ihre Ostern schon im Heidentum selbständig und unabhängig von der semetischen Welt begingen.
Bunte Ostereier werden noch fast aller Orten verschenkt, u.a. auch von den Taufpaten an die Kinder, wie z.B. zu Mellin in der Altmark. Die rot gefärbten Ostereier gelten dem Thor, die gelben der Ostara. In Dörfern am Südharz werden die Eier eine abhängige Wiese hinabrollt und man läuft danach um die Wette. In Meklenburg freilich werden Ostereier gegessen, aber ein Spiel mit denselben ist nicht gebräuchlich.
Das Eierlesen findet in Norddeutschland zumeist nur so statt, daß sie da gesucht werden, wohin sie der Osterhase gelegt hat, im Buchsbaum, hinter den Stauden und Bäumen des Gartens. In Süddeutschland ist das wirkliche Eierlesen noch eine der schönsten Volksbelustigungen. Ebenso wurde es vor nicht langer Zeit in Hessen, z.B in Ellmarshausen, einer Malsburgschen Besitzung unweit Wolfshagen von den Knechten des Hofes geübt. Einige derselben begaben sich am zweiten Ostertage in die in der Nähe liegenden Mühlen, wo sie nach scherzhafter Aufforderung von jedem Müller eine Anzahl Eier, zusammen etwa 120 - 130 geschenkt erhalten. Nun ziehen alle Knechte auf eine große Wiese bei Ellmarshausen,wo die Eier dann in eine einzige lange Reihe gelegt werden, Stück um Stück, mit je einem Fuß Zwischenraum. An das oberste Ende dieser Eierlinie wird ein Korb gestellt. Zwei Knechte, die sich stark genug fühlen, einen Wettlauf zu bestehen, treten dann hervor, um zu gleicher Zeit ihren Lauf zu beginnen. Des einen Ziel ist das ½ Stunde von Ellmarshausen auf der Höhe liegende Dorf Rotfelden, von wo er, mit einem Zeugnis seiner Anwesenheit versehen, ungesäumt zurückkehren muß. Des andern Aufgabe dagegen ist, von dem Korbe, welcher stehen bleibt, bis zum untersten Ei der Linie zu laufen, diese zu holen und behutsam in den Korb zu legen und ebenso mit allen übrigen Eiern zu verfahren; doch darf er immer nur eins holen. Hat er auf diese Weise alle Eier in den Korb getragen, ehe der Gegner von Rotfelden wieder auf der Wiese eintrifft, so ist der Sieg sein; kommt aber dieser mit seinem Laufe eher zu Ende, als jener mit dem Eierlesen, so hat er den Sieg.
Ist der Wettlauf geschehen so geht es zum Tanz, wobei die andern Knechte den Sieger frei halten müssen. Die Eier werden gemeinschaftlich vezehrt. Ähnlich ist das Eierlesen in Ehlen bei Dörnberg, in Burghasungen und selbst um Frankenberg herum, wie auch an den oberen Diemel üblich.
In Ostfriesland wird, wie auch sonst in Deutschland, mit den Eiern geworfen oder auch geköpft. Die Tage der Osterwoche haben da alle besondere Namen: blau Mandag, geel Dingsdag, wit Midwek, grön Dönnersdag, husenbusen Saterdag, hickenbicken Söndag, eiertrüllen Mandag, all-op-peten Dingsdag. Am Gründonnerstage muß ebenso wie am Weinachtstage Grünkohl gegessen werden und bis zu diesem Zeitpunkt wird der letzte Kohl im Garten aufgespart. Am husenbusen Saterdag, dessen Bezeichnung wohl von der dann stattfindenden Reinigung rührt, werden die Ostereier gefärbt. Sie dürfen niergens fehlen; die drei Ostertage haben von diesem Gebrauche des Eieressens und Eierspielens ihre Namen; am zweiten, auch schon am ersten, zieht alles auf eine nahe Wiese und da wirft oder "bickst" man mit den Eiern; derjenige, dessen Ei zuerst zerspringt, muß es dem Sieger überlassen. Dieselbe Sitte findet auch in Mitteldeutschland, z.B im Waldeckschen. Bei der Leer in Ostfriesland liegt eine Erhöhung, der Plietenberg genannt; da werden am Ostertage Buden aufgeschlagen und die halbe Stadt zieht hinaus, um die Eier von der Anhöhe herunterrollen zu lassen. Auch die Sitte des Osterfeuers ist in Gebrauch.
Das Eierlesen in Augsburg in der Mitte des 17. Jahrhunderts wird uns von Henischius in seiner Arithm. Perfecta Bl. 398 also beschrieben: "Am zweiten Ostertag ist es zu Augsburg allzeit gebräuchlich, daß sich zween Knaben vor dem Rothenthor im Laufen folgender Gestalt üben: dem einen legt man 100 Eier nach der Länge, jedes 2 Schuh von dem ander, die soll er unzerbrochen in einen Korb, so auch 2 Schuh vor dem ersten Ei stehet, einholen, jedoch so oft er von dem Korb auslaäuft, so oft nur ein Ei bringe. Der andere aber solle unterdessen nach Göckingen (ist ein Dorf, nach gemeiner Meinung ½ Meile von der Stadt gelegen) laufen und wiederkommen: und wer seinen Lauf als erstes verrichtet, der gewinnt, was ausgeworfen ist. Jetzt ist die Frage, wie viele der Eiersammler Schuh laufen müsse und wer vermutlich gewinne?"
Ebenso wird es noch in Schwaben gehalten, wie z.B in Kirchber und in Stammheim, sowie in Wurmlingen. Das in Wurmlingen beschreibt Birlinger im Jahre 1874, wie er es selbst erlebte. Da fand auch die Wette zwischen dem Eierleser und dem, der ein Pfand erholen mußte statt. Hundert Eier wurden ausgelegt. Wer zuerst zu Ende war, hatte gewonnen. Die Burschen trugen weiße Hosen und waren mit roten Bändern behangen. Das Werfen in die Wanne fand statt auf 50-60 Schritt Entfernung.
Im Jahre 1845 fand nach Berlinger auf dem See beim Seehof, südwestlich vom badischen Dorfe Steitzlingen das Eierlesen auf dem Eise statt. Einmal lesen die Mädchen, das andere Mal die Buben Eier. Zuweilen gehts flott her mit Musik und beschärpten Reitern. Auch in Beiertheim bei Karlruh beging man das Eierlesen feierlich.
Der oben genannte Henischius spricht auch von dem Osterspiel des Eierwerfens auf einer Wiese, wo das Ei nicht zerbreche. Diese Kunst sagt er, brauchen auch die Kinder zu Ostern, wenn sie mit den gefärbten Eiern auf den Wiesen spielen. Sie machen die rechte Hand etwas hohl, legen das Eie der Länge der Hand nach in die Höhlung, daß die Spitze gegen die Finger kommen, biegen und legen den Mittelfinger darauf; werfen also von unten her das Ei drehend in die Höhe. Weil nun das Ei wegen solches Umdrehens auf eine Spitze fällt, zerbricht es nicht, es falle dann auf ein Holz, Stein oder ander hart Ding, darauf es zerbrechen muß.
Wie beliebt das Eierlesen war, zeigt auch die Erwähnung deselben in den Predigten. So wird in einem alten schwäbischen Predigtbuch (Birlinger II, 77) das Eierlesen umständlich beschrieben und gedeutet:



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