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Volkstümliche Osterspiele




Biete Euch hier einige interessante Informationen über volkstümliche Ostersitten, Oster - Liturgien, Osterbrauchtum, (wie rollende Teertonnen, Osterfeuer, Osterräder, Oster - Ringelbrot) auch Osterrituale und lustige Osterspiele (wie Ostermannbrennen, Schwerttänze, Siebensprünge u.s.w) zur Osterzeit an.

Diese Texte wurden aus antiquarischen Büchern aus dem Jahr 1895 entnommen und für Euch zusammengestellt.





Osterspiele






Fortsetzung von Seite 1 (volkstümliche Ostersitten)



Hierauf begann der Tanz, wobei die Schellen taktmäßig nach ihren Tritten klangen. In der rechten Hand trugen sie Degen. Oft ging es im wirren Knäuel durcheinander, und mit überraschender Gewandtheit schwenkten sie sich gleich darauf wieder in geregeltem Takte und in schöner Ordnung. Nachdem der Tanz beendigt war, sprach der Führer wieder zu den Zuschauern, welche freiwillig Geld, Speck, Eier, Würste spendeten. Ursprünglich führten ja (nach Tac. Germania 24) nackte Jünglinge solchen Tanz aus, indem sie mit außerordentlicher Kühnheit und Behendigkeit zwischen scharfen Schwertern und Spießen (Frameen) herumtanzten. Aber auch in späterer Zeit war dieser Tanz nicht ohne Gefahr; es verlor noch im Jahre 1571 zu Iba bei Rotenburg einer der Tänzer sein Leben, indem er beim Tanze erstochen wurde. Insbesondere scheinen die Chatten diesen Schwerttanz geliebt zu haben nach dem Zeugnisse Winkelmanns, der 1651 bei der Heimführung der Gemahlin des Landgrafen Ludwig VI. Von Hessen-Darmstadt noch einem Schwerttanze beiwohnte, welchem das jung Landvolk im Felde vor Lollar, eine Stunde von Gießen aufführte.
Es berührt sich solche Osterfeier vielfach mit dem Maifest und dem Frühlingsempfang, ja sie ist Frühlingsempfang und es offenbart sich hier die Naturfreude der Väter am tiefsten und stärksten. Sie tritt geradezu drastisch hervor. Während wir heutzutage wohl mit dem Dichter sagen: "Und dräut der Winter noch so sehr mit trotzigen Gebärden und streut er Schnee und Eis umher: es muß doch Frühling werden," so wurde sonst dieser Kampf zwischen Sommer und Winter wirklich dargestellt. Noch heute sagen wir: "der Sommer ist vor der Tür," "der Sommer tritt ein," ohne zu ahnen, daß dergleichen Ausdrücke in langer Vorzeit zurückdeuten, wo man den Frühling als Sieger festlich empfing mit einer kindlichen Freude, die uns abhanden gekommen ist, wo der, welcher den ersten viol, das erste Veilchen sah, es jubelnd verkündete, worauf dann das ganze Dorf hinzulief, das Veilchen auf eine Stange steckte und es mit Gesang und Tanz umgab. Auch wer die erste Schwalbe sah, hatte, wie man sagte, "den Mai gefunden" und erhielt seinen Lohn. Wurden doch in Rostock die Türmer angewiesen, den kommenden Frühlingsherold, "die Schwalbe anzublasen," wofür ihnen dann ein Ehrentrunk aus dem Ratskeller gereicht wurde.
Solche kleinen und doch bedeutungsvollen Züge lassen uns am besten das tiefe Naturgefühl und die Naturfreude unserer Väter erkennen, deren ganzem Sinne ein Fest der Ostara so völlig entsprach. Wie die Sonne selbst nach dem Volksglauben in der Frühe des Ostertages drei Freudensprünge tut, denn sie hat nun gesiegt über die Finsternis im Kampfe mit den Winterriesen, so stellt das Volk widerum diesen Kampf zwischen Sommer und Winter sehr handgreiflich dar. Ein vermummter Sommer und Winter, jener in Epheu oder Singrün, dieser in Stroh und Moos gekleidet, treten auf und kämpfen solange miteinander, bis der Sommer siegt. Dann wird dem zu Boden geworfenen Winter seine Hülle abgerissen, zerstreut, und ein Kranz oder Zweig umhergetragen, wie denn davon der Ort Questenberg im Harz seinen Namen haben soll. Die Queste ist der Kranz. "Die Queste hangt," d.h. Der Kranz oder Zweig, oder Laub- und Blätterbüschel hängt.
In solchem Kampf zwischen Sommer und Winter haben wir die uralte Vorstellung eines Wettstreits zwischen beiden Jahreszeiten und Jahresgewalten, aus denen der Sommer siegreich hervorgeht, der Winter unterliegt.
Das Volk gibt dabei den zuschauenden Chor ab und bricht in den Preis des Überwinders aus. Noch werden deutsche Lieder gesungen, welche auf solchen Kampf sich beziehen; so das bekannte:

Wir wollen hinter die Hecken
Und wollen den Sommer wecken
Der Winter hats verloren,
Der Winter liegt gefangen
Und wer nicht dazu kommt,
Den schlagen wir mit Stangen.
Der Sommer ist so keck
Und wirft den Winter in den Dreck.

Solche Lieder sind durch lange Zeiten gegangen. Alles ist ganz heidnisch gedacht und gefaßt, zumal wenn dem Winter die Augen ausgestochen werden. Der herbeigeholte, aus seinem Schlaf geweckte tapfre Sommer, der überwundene, in den Kot niedergeworfene, in Bande gelegte, mit Stäben geschlagene, geblendete und ausgetriebene Winter sind Halbgötter oder Riesen, die Reif- und Frostriesen des Altertums.
So derb äußerste sich die Osterfreude der Vorzeit als tiefe Naturfreude. Sie beherrschte alt und jung. Denn auch Kinder zogen an manchen Orten mit weißen geschälten Stäben aus. Die Stabträger scheinen des Winters Gefolge oder Ingesinde darzustellen, wie denn nach altem Brauch Besiegte und Gefangene mit weißen Stäben entlassen wurden.
Einer aus dem Haufen der Knaben, in Stroh gehüllt, stellt den Winter vor; ein anderer mit Epheu geschmückt, den Sommer. Erst kämpfen beide mit Holzstangen, bald werden sie handgemein und ringen solange miteinander, bis der Winter darniederliegt und ihm das Strohkleid abgezogen wird. Unter dem Kampf singen die übrigen:

Stab aus, Stab aus!
Stecht dem Winter die Augen aus!

Alle diese Züge mit dem Gewinnen des Kleides, der Rüstung, sowie besonders das grausame Augenausstechen gemahnen an die altgermanische Heldenzeit und es vereinigensich hier zwei stark hervortretende Züge des deutschen Lebens: Natur- und Heldenfreude. Nach beendigtem Kampf, wenn der Winter in der Flucht ist, wird gesungen:

So treiben wir den Winter aus,
Durch unsre Stadt zum Tor hinaus.

In manchen Gegenden tritt an die Stelle des Winters bedeutsam der Tod. Da ruft man: "Stab aus, Stab aus! Stecht dem Tod die Augen aus!" Und so triumphiert man zuletzt: Wir haben den Tod hinausgetrieben! Und kehrt mit einem buntgeschmückten Tannenreise, als Zeichen des Frühlings zurück. In Deutschland, wo dies Todaustreiben oft am Sonntag Lätare geschah, hieß dieser Sonntag deshalb geradezu Todensonntag. In Anlehnung an dies Todaustreiben ist das Lied "Nun treiben wir den Papst hinaus" von Luther herausgegeben mit der Unterschrift: Ex montibus et vallibus, ex silvis et campestribus, "Ein Lied für die Kinder, damit sie zu Mitterfasten den Papst austreiben." Das Volk, das schon in seiner natürlichen Freude so sinnvoll handelte und sang, mußte später in echt deutscher Helden- und Heilsfreuden am Siegestage des Lebensfürsten, der wirklich dem Tode die Macht genommen und Leben und unvergänglich Wesen ans Licht gebracht, diesem Fürsten des Lebens in voller Osterfreude huldigen und Luthers Lied, welches gerade auf solche Osterspiele hindeutet, voll sich aneignen:

Es war ein wunderlich Krieg,
Da Tod und Leben rungen.
Das Leben behielt den Sieg
Und hat den Tod bezwungen: -
Ein Spott aus dem Tod ist worden.
Halleluja!

Noch im sinkenden Mittelalter mußte der Pfarrer am Ostersonntag nach der Frühpredigt von der Kanzel herab dem Volke ein Ostermärlein erzählen. Das Volk wollte die Kurzweil nicht missen, welche zur heidnischen Zeit das Osterspiel gewährt hatte, und so schlugen die Leute denn nun in der Kirche ihr Ostergelächter (risus paschales) auf. Durch alle jene naiv sinnlichen und doch bedeutsamen Äußerungen der heidnisch natürlichen Osterfreude mußte das Volk wie an seinen, aber nur um so stärkeren Fäden für die Feier des Lebens- und Siegesfestes ohnegelichen gewonnen werden. Denn wie in jenem Osterspiel der abziehende Feind, der Frost-und Reifriese noch auf der Flucht seine Fruchtbarkeit durch Hagelsalven offenbart, so auch der, welcher des Todes Gewalt hat, der Teufel. Wie jener abziehen muß, so fühlt auch dieser, daß seine Zeit vorbei ist. Jenen abziehenden Feind hat uns noch Goethe vortrefflich dargestellt, wenn er sagt:

Der alte Winter in seiner Schwäche
Zog sich in rauhe Berge zurück.
Von dort her sendet er, fliehend nur,
Ohnmächtige Schauer körnigen Eises
In Streifen über die grünende Flur.




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