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Kirchensitten zu Ostern




Biete Euch hier einige interessante Informationen über kirchliche Ostersitten, Osterliturgien, Osterbräuche, Osterrituale zur Osterzeit, speziell aber zur Osternacht und zum Ostersonntag an.

Diese Texte wurden aus antiquarischen Büchern aus dem Jahr 1895 entnommen und für Euch zusammengestellt.





Kirchenbräuche Ostern






Fortsetzung von Seite 1 (Kirchliche Ostersitten)



Eine andere, mit der Osterkerze verwandte kirchliche Sitte war die Modellierung der Osterlämmer (agnus Dei) aus einer mit Öl gesättigten Wachsmasse. Sie wurden nach dem Zeugnisse des Amalar von Metz (lib. I de offic. Eccles. c. 17) unter das Volk verteilt und in den Häusern angezündet. Da Ähnliches auch mit der Osterkerze geschah, so war wohl die Absicht, das Volk daran zu gewöhnen, daß sie das häusliche Licht nicht an den heidnischen Osterfeuern, sondern an den von der Kirche gheiligten Stoffen und Elementen erneuerten.
Bei der kirchlichen Sitte der Weihe des neuen Feuers hat man wohl an das Feuer der Vesta erinnert, das, wenn es aus Unvorsichtigkeit ausggangen war, auf ähnliche Weise erneuert wurde, ja selbst an Gebräuchen der Indianer gedacht. Doch sieht man nicht ab, wie solche Analogien der Sitte irgendwie erklären können. Eher dürfte man den Ursprung mit Simrock u.a. in den heidnischen deutschen Osterfeuern suchen. Aber so gewiss wie die kirchliche Sitte auch den Deutschen einen Ersatz für die heidnischen Osterfeuer bieten sollte und wirklich bot, so findet sie ihre Erklärung doch wie sonst so auch hier erst durch die Erwägung des eigentlichen Sittenkernes, d.h. des der Sitte zu Grunde liegenden Gedankens. Und dieser ist klar.
Betrachtete doch die Kirche den Tag des Todes und der Grabesruhe Christi als Tage der höchsten Trauer und Verlassenheit. Der Bräutigam ist hinweggenommen, das Licht der Welt, wie der Herr selbst sich nannte, erloschen. Nur durch Gottes Macht kann es ihr wieder gegeben werden.
Entsprechend nun der Hinwegnahme des Lichtes der Welt aus dem Reiche der Lebendigen sind alle Lichter der Kirche verlöscht. Licht aber muß doch da sein, denn ohne Licht kein Leben. Woher nun das Licht nehmen? So wird es durch Gottes Wirkung der Natur neu entlockt und stellt sich in dem "neuen Feuer", sowie in der an ihm angezündeten Osterkerze nun als ein Symbol des am Ostermorgen wiedererweckten Lichts der Welt dar. Von nun an werden alle Lichter von dieser Kerze angezündet und alle andern empfangen das Jahr hindurch mittelbar durch sie Licht: so wie der zu neuem Leben erstandene Heiland allen denen, die an ihn glauben, von nun an der Quell alles Lichts und Lebens (Joh. 1, 4-5; 8, 12). Gerade an der Botschaft von dem erstandenen und nun allzeit lebendigen und gegenwärtigen Christus entzündet sich von neuem der weltüberwindende Glaube. Mögleich, daß man bei der columna paschalis auch an jene Feuersäule (Ex. 13, 21) dachte, welche dem aus Ägypten ausgewanderten Volke zum Wegweiser diente und in welcher Jehovah selbst ihm voranzog. Das wird der eigentliche Sittenkern sein.
Nach der Weihe des cereus paschalis nun erfolgten die Lektionen, die sog. Prophetiae sine titulo, Prophetien aus den historischen und prophetischen Büchern des Alten Testamentes, deren Zahl anfangs schwankend zwischen 4, 14 und 24, später auf 12 festgestellt wurden, - ein großartiger, umfassender Rückblick auf die Weissagung und typische Darstellung des Alten Bundes:

1.Die Schöpfung Gen.1.
2.Die Südflut Gen. 5-8.
3.Abrahams Opfer Gen. 22.
4.Der Durchzug durchs rotes Meer Ex. 14. 15.
5.Die Weissagung auf die Taufe Jes. 54. 55.
6.Die Weissagung auf Christi Auferstehung Baruch 3.
7.Die allgemeine Aufertehung Ezech. 37.
8.Die Parabel vom Weinberg Jes. 4.5.
9.Die Einsetzung des Passah Ex. 12.
10.Das Zeichen des Jonas Jon. 3.
11.Mosis Lobgesang am Schlusse seines Lebens Deut. 31.32
12.Lobgesang der drei Männer im feurigen Ofen als Bild des Fegfeuers und der Hölle

Jeder Lektion folgt ein Gebet, welchen den Schlüssel des typischen Verständnisses enthält. " Die Anordnung ist einfach und sinnvoll, das ganze gibt Zeugnis von einer Zeit, in welcher der liturgische Bildungstrieb der Kirche noch in voller schaffender Kraft stand" (Steitz).
An der Lktion dieser Prophetien schloß sich nun die Weihe des Taufbrunnens, des Taufwassers für das ganze Jahr, die benedictio fontis. Der Ausdruck fons (Quelle) beeichnet in der Kirchensprache zunächst die Taufsteine solcher Kirchen, in denen selbst eine Quelle entsprang, die dem Taufstein das Wasser zuführte, später erst den Taufstein überhaupt, wie denn im Niederdeutschen die mundartlichen Benennungen Fünt, Fönte, Fünte (von fons) noch immer von alten Taufsteinen gebräuchlich sind. Der Weihe des Taufwassers liegt der Gedanke zu Grunde, daß die gesamte Schöpfung durch den Sündenfall unter die Gewalt dämonischer Kräfte gekommen und verunreinigt sei. Die Weihegabe, welcher das Wasser dem Fluche entnehmen solle, erbitten, daß der Geist Gottes sich in das Taufwasser herablasse, es mit seiner Kraft befruchte und zum Lebensquell heilige, dem neue Kreaturen entsteigen. Ausdrücklich Exorzismen gebieten im Namen des Herrn jedem unreinen Geist, von dem Wasser zu weichen, dasselbe weder zu umschleichen, noch zu infizieren. Es wird gesegnet im Namen des Vaters, der das Wasser in vier Strömen aus des Paradieses Quelle ausgehen ließ über die Erde; der das bittere in süßes gewandelt und es dem dürstenden Volke aus dem Felsen hervorbrechen ließ; im Namen des Sohnes, der es auf der Hochzeit zu Kana in Wein verwandelt, mit seinen Füßen über dasselbe geschritten und mit ihm von Johannes im Jordan getauft worden; aus dessen Seite es zugleich mit dem Blute ausgeflossen und der seinen Jüngern über ihm den Taufbefehl gegeben hat.
Der Höhepunkt liegt in den Worten: "In dieses Quelles ganze Fülle steige die Kraft des heil. Geistes und befruchte die Substanz dieses Wassers mit erneuerter Wirkung; hier mögen alle Sünden getilgt werden." Diese Weihegebete sind von bedeutungsvollen Handlungen begleitet. Der Priester teilt mit ausgestreckter Hand das Wasser in Kreuzform, schlägt darüber drei Kreuze, schöpft mit der Hand, gießt es aus nach den vier Himmelsgegenden, senkt dreimal die Kerze hinein, haucht es dreimal an, läßt durch die Assistenten nach vollzogener Benediktion das Volk damit besprengen und gießt zuletzt von dem Chrisma einige Tropfen in Form des Kreuzes hinein, um ihm die Kraft der Wiedergebut befruchtnd mitzuteilen.
Diese jährliche Wasserweihe der katholischen Kirche fand übrigens in Meklenburg nach N. Gryse schon am Gründonnerstag statt, ward aber erst Ostern durch das dreimalige Eintauchen der geweihten Kerze vollendet. Das so geweihte Wasser ward nun nach dem Volksglauben wunderthätig, ebenso wie ds Osterwasser, welches in der Osternacht um 12 Uhr, oder zwischen 12 und 1 Uhr, oder unmittelbar vor Sonnenaufgang geschöpft wurde. Dies Osterwasser wird jedoch aus fließendem Wasser geschöpft, weshalb es in Meklenburg auch Fleitenwater heißt. Dazu muß es gegen den Strom geschöpft werden, oder es muß der Wind beim Schöpfen desselben von Osten nach Westen gehen. So auch zu Neuermark a.d.Elbe. Das Schöpfen muß stillschweigend geschehen, auch auf dem Hin- und Rückwege darf man nicht sprechen, man muß vor Sonnenaufgang wieder zu Hause sein, sonst verliert es seine Kraft. Man trinkt drei Schlucke davon, oder wäscht sich am Ostermorgen vor Sonnenaufgang mit dem Wasser. Solches Wasser hält sich nach dem Volksglauben das ganze Jahr hindurch und verdirbt nicht; es macht schön und hat Heilkraft, hilft besonders gegen Hautkrankheiten, auch gegen schlimme Augen und Sommersprossen. Manche Leute kochen am Ostertage ihr Essen darin. Ähnlich in Pommern. In Swinemünde schöpft man mit dem Strom unter den Worten:

Dieses Wasser schöpf ich,
Christi Blut anbet ich,
Dieses Wasser und Christi Blut,
Sind für siebenundsiebzigerlei Fieber gut.

Auch breite man wohl am Abend vor Ostern ein Linnen im Garten aus und wäscht sich am Ostermorgen mit dem Tau, Regen oder Schnee, der darauf gefallen: das soll das ganze Jahr vor Krankheit bewahren.
Solcher Wasserweihe in der Osternacht, wie sie lange vor der Einführung des Christentums schon üblich sein mochte, entspricht der Kirche nun durch jene Weihe des Taufbrunnens, in welcher die heidnische Sitte wiederum eine Umbildung erfuhr, eine Umbildung, welche den Gedanken der ursprünglichen Sitte, daß man ein heilkräftiges Wasser des Lebens bedürfe, als Sittenkern festhielt, zugleich aber diesen Gedanken, diesen Sittenkern zu seiner vollen Entfaltung und Blüte brachte, indem die Kirche dem nach einem heilkräftigen Lebenswasser verlangendem Volke dieses Wasser der heil. Taufe wies und ihm gerade in der Osternacht, in der es sonst das vermeintlich heilkräftige Wasser geschöpft hatte, im Taufbrunnen den wahren Jungbrunnen des Lebens zeigte und so der alten Sitte mit ihrem halb dunklen Heilsverlangen ihren Vollgehalt gab.
Nach der Weihe des Taufbrunnens in der Stunde der Mitternacht erfolgte dann die Taufe von Hunderten, ja mitunter von Tausenden in den Baptisterien, den Taufkapellen, und die Zurückführung der Neophyten im weißen Gewande in die Versammlung der Gemeinde, von der sie mit den mächtigen, trostreichen Klängen des 118. Psalms als Glieder derselben mächtigen, bewillkommt wurden, jene Psalms, der Christi Sieg und Triumph feiert mit den Worten:

Man singet mit Freuden in den Hütten der Gerechten:
Die Rechte des Herrn behält den Sieg.
Die Rechte des Herren ist erhöhet,
Die Rechte des Herrn behält den Sieg.
Ich werde nicht sterben, sondern leben
Und des Herrn Werk verkündigen.
Der Herr züchtigt mich wohl,
Aber er gibt mich dem Tode nicht.
Tut mir auf die Thore der Gerechtigkeit,
Daß ich da hineingehe und dem Herrn danke.
Das ist das Thor des Herrn;
Die Gerechten werden da hineingehen.
Den Stein, den die Bauleute verworfen,
Ist zum Eckstein geworden.
Das ist vom Herrn geschehen
Und ist ein Wunder vor unseren Augen.
Dies ist der Tag, den der Herr macht;
Laßt und freuen und fröhlich darinnen sein.
O Herr hilf, o Herr, lass wohl gelingen!
Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn.
Wir segnen euch, die ihr vom Hause des Herrn seid.


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