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Biete Euch hier einige interessante Informationen über volkstümliche Ostersitten, Oster - Liturgien, Osterbrauchtum, (wie rollende Teertonnen, Osterfeuer, Osterräder, Oster - Ringelbrot) auch Osterrituale und lustige Osterspiele (wie Ostermannbrennen, Schwerttänze, Siebensprünge u.s.w) zur Osterzeit an.

Diese Texte wurden aus antiquarischen Büchern aus dem Jahr 1895 entnommen und für Euch zusammengestellt.





Osterhasen mit Ostereiern






Fortsetzung von Seite 4 (volkstümliche Ostersitten)



"Was ist dies anders als eine unaussprechliche Osterfreud oder fröhliche Schaulust, die Christus seinen Jüngern hat anrichten wollen? Oder (daß ich mich fein bald erkläre) und vielmehr hierdurch hat wollen Anleitung geben zu einem zulässigen Freudenspiel, dergleichen unsere frommen Voreltern und Vorfahren zu dieser fröhlichen Zeit gemeiniglich pflegten anzustellen, und noch an vielen Orten gebräuchlich und üblich ist, welches man nennet das Ayr-Klauben oder das Ayr-Lösen. Ein solches geistliches Ayr-Klauben wollen wir heut' auch anstellen, zu einer geistlichen Recreation und Lustbarkeit der Seelen. Sie lassen sich die Zeit nicht lang werden, noch verdrießen; ich fahre indessen fort im Namen des Allerhöchsten. Attendite. Ehe und bevor wir diese geistliche Recreation oder Kurzweil anfahen, ist nicht ein vergeblich Sach, daß wir zuvor wissen, worin obbesagtes Osterspiel bestehe und was da sei das Ayr-Klauben oder Ayr-Lösen. Diese Spiel (welches in Ober-Teutschland an vielen Orten noch im Gebrauch ist) bestehet in dem: Man gehet hinaus aufs Feld, oder in einem weiten Hof-Garten oder Wiesen, da laäuft man mit ganz Körb voll Ayren zu. Man nimmt eine gewisse Zahl derselben, 100, 200 oder noch mehr. Solche legt man auf den Boden, der Länge nach, eines hinter das andere. Diese Ayr muß einer (der das Spiel gewinnen will) allesamt, eines nach dem andern, zuvor aufklauben und in ein bestimmtes Geschirr, e.g. Sieb oder Korb legen, unzerbrochen, ehe daß ein anderer, zu einem gewissen Ziel laufend, wieder zurück kommt. Da gilt es nun ein Gewett, welcher aus diesen Beeden geschwinder sei, der Laufer oder der Klauber. Das ist nun lustig zu sehen. Dann als so oft der Klauber ein Ay aufhebt, lauft er damit zum Korb oder Sieb und legts darein. Kehrt derweilen der Laufer ehender zurück, so ist das ausgesetzte Gewinnet sein; gleichwie es des Aufklaubers ist, wann er vor der Zurückkunft des Laufenden mit dem Aufklauben fertig wird; zerbricht er aber ein Ay, so hat ers Spiel verloren."
Die Predigt will dann das Spiel ds Eierlesens, das nicht allein zur Lustbarkeit ersonnen sei, geistlich ausdeuten und verweist dabei auf "das sinnreiche Büchlein P. Georgii Stengelii, so er Ova Paschalia intituliert." So will auch er ein "geistliches Ayr-Klauben auf die Bahn bringen."
"Vom Ay in genere und insgemein zu reden, hält Erycius Puteanus das Ay für das große Wunderwerk der Natur, wie er dann davon ein ganzes Buch geschrieben und viel wunderliche Sachen hiervon erzählt. Vom Ay sagt er, daß es gleichsamb zwymal werde geboren: das erstemal wanns die Henne oder ein anderer Vogel legt; das andremal, wann es ausgebrütet und ein lebendiger Vogel darus wird. So, so, AA! Gehet es mit uns Menschen auch. Die erste Geburt, wodurch wir von Mutter-Leib kommen, ist noch ganz schlecht und elendiglich; es ist uns viel zu eng, wann die Welt noch so weit wäre; wir sind in diesem armseligen Leib und etwan unter einem schlechten Tach eingeschlossen wie der Dotter aber das junge Vöglein im Ay: wir müssen viel Widerwärtiges von Armut, Krankheit, Trübsal, Hunger, Durst, Hitz und Kält leiden und ausstehen. Wer ist, dem sein Nest nicht derweil zu eng wird? Wer rührt sich nicht zu Zeiten unter seiner Schalen und wäre gern daraus? O! Wie viel sind, die sich mit dem heil. Paulo zuweilen hören lassen: Quis me liberabit de corpore mortis hujus? Wer wird mich erledigen von diesem sterblichen Leib. Doch muß man Geduld haben, wie mit dem Ay, es laßt sich die Sach nicht übereilen. Das Ay ist zwar gelegt; das Vöglein aber, oder das Hühnlein ist noch nicht da, sagt der heil. Augustinus: Ovum est aliquid, sed mondum est pullus, cum Patientia exspectetur. Der Zeit und der Brut muß man warten, biß diese fürüber sein wird, und was die Natur nicht kann oder vermag, muß die Gnad ersetzen. Diese wird nach zerbrochner Schalen unsers sterblichen Leibs, schon zeigen, was aus uns werden soll. - Da laßt uns nun aufklauben dieses Ay, und diese zwei Stuck, nemblich unsern ersten Ausschluf und Geburt, und Ausbrut betrachten.
Mein! Was ist schlechters und geringereals ein Ay? Wers anfänglich haben will, muß sich darumb bucken, entweders nach einem Stroh-Nest in einer stinkenden Hennesteig, oder sonst in einem wüsten stinkenden Winkel. Wers findet, erhebt einen schlechten Schtz, der kaum drey Heller wert; verbricht ers, so hat er nichts, als daß er vielleicht seine Händ und Kleider besudelt; und kann man mit einem AY, wie wir Teutschen pflegen zu sagen, neun Schanden aufheben. Was würde dann ich für ein Ehr aufheben (könnte vielleicht einer bei sich denken), mit einem Ayr-Klauben? Aber, fein gemach! AA! Das Ay und unser heutiges Ayr-Klauben ist nicht zu verachten: Nicht alles was schlecht, ist darumb auch verächtlich. Ach nein! Wann wir alle schlechten Sachen wollten weckwerfen und verachten, würde man auch den kostbaren Sachen ihren Wert entziehen, und die mittelmäßigen Ding schlecht sein, weil sonsten nichts Schlechtes vorhanden. So schlecht ein Ay sein mag, so kann mans doch zu vielen Dingen brauchen, und hat ein Hennenay unter den Speisen ein so großen Namen, daß, wenn man fragt, welches aus allen Speisen die allerbeste sei? Man gleich darauf (und zwar weislich) antworten kann: Ein Ay. Es ist kaum ein Speiß besser, gesunder, nutzlicher, in einem rechten Preiß, die besser, früher und leichter zu überkommen, zu kochen und zu verdeuen ist, als ein Ay. Weilen es dann umb ein Ay ein so köstlich Ding ist , so muß man unsern Oster-Lust und Ayr-Klauben nicht so verächtlich schätzen und wird es hoffentlich niemand verachten."

Wir sehen, wie das hier beschriebene Eierlesen ganz der in Oberdeutschland noch geübten Art desselben entspricht, bei welchem immerhin noch die Vorstellung des Wettkampfes waltet.

In ganz anderer Zeit wird das zur Osterzeit mit Blumen bemalte und ausgeblasenen Ei mitunter verwendet. In der Höhlung befindet sich eine kleine Walze, um welche ein langer Papierstreifen gewickelt ist, worauf Glückwünsche geschrieben stehen. Mittels eines außen angebrachten Triebels, wird der Streifen auf- und abgewickelt. Diese Sitte herrscht z.B in Königseggwald und in Hoßkirch in Schwaben. Ein Beispiel aus Hoßkirch:

Hier verehr ich dir ein Osterei,
Ziehe nur recht langsam, sonst bricht's entzwei.
Dies Osterei will ich dir geben,
Auf daß du noch viel Jahr sollst leben.
Viele Jahre und sonst noch viel mehr,
Wenn du sie brauchest zu Gottes Ehr;
Denn Gotte Ehre nur allein
Wird allzeit das Beste sein.
Was Gott will, das muß geschehen,
Wenns schon die Menschen nicht gern sehen.
Denn vor Gott bleibt nicht verborgen,
Sei es Abend oder Morgen.
Ich erwähle mir nur eines,
Ein getreues und sonst keines -
Ein treues Herz das muß ich haben
Und sollt ichs aus der Erde graben.
Wer ein treues Herz will finden,
Muß bei der Sonne ein Licht anzünden.
Wann die Falschheit bränn wie das Feuer,
So wär das Holz nicht halb so teuer.
Liebstes Kind, darf ichs wagen,
Dich ein einzigstes Wort zu fragen?
Ob deine Lib und Treu
Nur auf mich gerichtet sei.
Blumen welken, Schönheit schwindet,
Alles gehet mit der Zeit;
Doch was die Liebe sonst umwindet,
Das bleibet Jahre so wie heut.
Ein Hüttchen darinnen eine Stübchen,
Und ist der Raum noch so winzig klein -
Wie dieses Ei.

Abgesehen von diesem mehr gemütlichen Gebrauch des Ostereies tragen selbst die an das Ei sich knüpfenden Ostersitten immer noch den Charakter eines Wettstreites oder "Widerstreits" den wir am deutlichsten in jenen Osterspielen ausgeprägt sahen, in welchem im Wettstreit Sommer und Winter miteinander kämpfen. Solche Wettkämpfe beruhen auf unvordenklicher Überlieferung und sind samt der Wechselrede in jenem dramatischen "Widerstreit" durch viele Jahrhunderte gegangen. Den Namen Widerstreit übertrug man dann auch auf die kirchliche Liturgie und ihren Responsorien. Die ganze Liturgie, zumal die österliche, ist ja ein Wechsel von Rede, Sang und Widersang und während das weltliche österliche Streitgedicht ein Gesang der Naturfreude war, wird solche Liturgie zum Gesange der Heilsfreude um die Wette.







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